Große Geste

Maler erobern die Augustusburg

Die Räumlichkeit allein könnte reichen, um ins Schwärmen zu geraten. Das Dachgeschoss über den früheren Stallungen der Augustusburg hat den rustikalen Charme von Scheunenböden, allerdings, wie es sich für ein königliches Schloß gehört, in den übersteigerten Dimensionen. In diesem großzügigen Ambiente sind Bilder von zehn Künstlerinnen und Künstlern versammelt, die meisten aus der Gegend zwischen Dresden und Chemnitz stammend. Die Auswahl ordnet sich ganz dem gewählten Thema „Form Farbe Geste" unter – expressive Elemente und kräftige Farben sind überall zu sehen. Trotzdem sind zehn eigene, starke Handschriften unterscheidbar. Das Spektrum reicht von einer deutlichen Anlehnung an Schmidt-Rottluff bei T.M. Rotschönberg bis zu düsterer Zeichenhaftigkeit bei Hans-Hendrik Grimmling, von skurrilen Wesen bei Holger Koch bis zu dekorativen Gebilden bei Mandy Herrmann-Amrouche. Für mich persönlich waren die Arbeiten von Christine Schlegel eine Entdeckung, deren Bildwelten genauso wie die Titel eigenwillig und hintergründig sind.

Die Ausstellung könnte eine großangelegte Rehabilitation der Malerei mit traditionellen Mitteln sein, wenn diese so etwas überhaupt nötig hätte. In Sachsen hat sie sich auch in den vergangenen Jahrzehnten nie so stark von anderen Kunstformen verdrängen lassen, wie in der „großen Weltkunst".

Jens Kassner

Schloss Augustusburg: Form Farbe Geste, bis 30. Oktober